Biedenkopf 2026 – Die HSG-Jugend wieder unterwegs
Berichte dieser Art waren noch nie meine Stärke – und als Schreibtalent war ich auch nie bekannt. Die heutige Technik macht so etwas mit den richtigen Hilfsprogrammen allerdings möglich, und vielleicht ist damit sogar ein langfristiger Ersatz für meinen Vorgänger gefunden – der bereits vor zwei Jahren offen nach einem Nachfolger gesucht hatte. Rückblickend vermutlich nicht ohne Grund, denn wenn ich mir seine Berichte anschaue, bleibt eine Frage: Wie hat er sich diese Menge an Details eigentlich merken können? Die Messlatte liegt entsprechend hoch.
Und jetzt sitze ich hier. Der Bericht muss geschrieben werden, einige warten schon
gespannt darauf – also bleibt nur eine Option:
Fangen wir an.
Das Trainingslager fand in diesem Jahr in einem besonderen Rahmen statt: Die HSG Wettenberg feiert ihr 40-jähriges Bestehen. Entsprechend stand das Wochenende nicht nur im Zeichen der sportlichen Entwicklung, sondern auch im Kontext eines besonderen Vereinsjubiläums.
118 Teilnehmer. 54 männliche Jugendspieler, 38 weibliche Jugendspielerinnen, 26
Trainer und Betreuer – plus eine gefühlt ständig wechselnde Anzahl an Tagesgästen,
Aktivenspielern und spontanen Besuchern. Wer das liest, weiß sofort: Es ist wieder
Biedenkopf-Zeit.
Dazu gesellten sich in diesem Jahr Regen, Eisschnee, zwei Hallen mit eher
überschaubarer Größe und eine Betreuergruppe mit einer – nennen wir es mal – kreativ interpretierten Regenerationsstrategie. Alle Zutaten für ein klassisches HSGWochenende waren damit beisammen.
Oder anders gesagt: Es konnte eigentlich nur gut werden
Wetter, Hallen und Improvisation auf höchstem Niveau
Das Wetter zeigte sich in Biedenkopf von seiner besten… nun ja, sagen wir mal:
charakterbildenden Seite. Regen, Eisschnee und nur vereinzelte Sonnenstrahlen sorgten dafür, dass sich selbst erfahrene Teilnehmer kurz fragten, ob sie sich vielleicht versehentlich für ein Wintercamp angemeldet hatten.
In diesem Jahr hatten wir nur die kleine und die noch kleinere Halle zur Verfügung.
Schon vor dem Wochenende gab es bei der Planung der Trainingszeiten in den Hallen einige Probleme. Was dabei vor Ort herausgekommen ist, war eine Mischung aus Improvisation, Kreativität und gelegentlichem Kopfschütteln. Es war eine Art Taktiktraining unter erschwerten Bedingungen, das am Ende fast schon bewundernswert funktioniert hat.
Sobald sich draußen auch nur ansatzweise trockenes Wetter zeigte, wurde das natürlichsofort genutzt. Während zwei mutige Betreuerinnen-Neulinge den Burgaufstieg wagten, entschieden sich alle anderen für die taktisch klügere Variante.
Immerhin: Für Eis essen hat es gereicht. Die weibliche E-, D- und C-Jugend setzte hierklare Prioritäten – und das vollkommen zu Recht.
Anreise – langweilig im besten Sinne
Die Anreise verlief in diesem Jahr wieder einmal ungewohnt reibungslos. Keine
verlorenen Taschen, keine falschen Abfahrten, keine Zwischenfälle – ein Zustand, der ungefähr so häufig vorkommt wie ein komplett ruhiger Abend bei den Betreuern.
Ich selbst habe davon nichts mitbekommen.
Der weiße Flitzer mit dem Kennzeichen GI-MS stand um 07:39 Uhr bereits vor Ort –
selbstverständlich mit Beweisfoto. Und als hätte sich diese Verlässlichkeit über Jahre hinweg ausgezahlt, wurde Markus nach 20 Jahren „Dienstzeit“ im Trainingslager nun auch endlich belohnt: mit dem wohl prominentesten Zimmer der Unterkunft, direkt im Foyer am Eingang.
Training, Spiele und Unterstützung
Natürlich wurde auch trainiert – und zwar ordentlich.
Im Koordinationstraining der männlichen D-Jugend war volle Konzentration gefragt: Man konnte den Spielern regelrecht ansehen, wie es im Kopf arbeitete – oder besser gesagt: „ratterte“.
Die weibliche E- und D-Jugend hingegen war nach der zweiten Einheit überzeugt, dassein Rückweg zur Unterkunft körperlich nicht mehr möglich sei. Dass zuvor hauptsächlich Technik trainiert wurde und wenig körperliche Anstrengung erforderlich war, spielte in dieser Wahrnehmung eine eher untergeordnete Rolle.
Auch in der männlichen E-Jugend kam es zu unterhaltsamen Diskussionen über die „richtige“ Wurftechnik. Einige Spieler vertraten dabei die Meinung, dass ein hoher Wurfdeutlich sinnvoller sei als ein flacher – sehr zum Missfallen von Trainern und Betreuern.
Besonders selbstbewusst wurde zudem behauptet, man habe bereits häufiger unter
dem Tor durchgeworfen als darüber. Bei der anschließenden Aufforderung zur
Demonstration relativierte sich diese Aussage allerdings schnell – ganz so einfach sei
das dann doch nicht.
Neben den Trainingseinheiten kam auch die Spielpraxis nicht zu kurz: Am Sonntagmittag absolvierte die weibliche C-Jugend und die weibliche A-Jugend ein Trainingsspiel. Die Begegnungen boten eine gute Gelegenheit, die Inhalte aus den Einheiten unter Wettkampfbedingungen umzusetzen.
Besondere Unterstützung kam in diesem Jahr wieder aus dem Aktivenbereich: Am
Samstag verstärkten Drommi, Schmeeli und Anhäuser von den Männern 1 das
Trainerteam und sorgten für frischen Wind im Training. Am Sonntag setzte sich das fort – mit Dragan, dem Trainer der Männer 1, Lulu, Michelle und Anna von den Frauen 1 sowie Jasto und Trischi von den Männern 1 war reichlich Erfahrung vor Ort, die direkt an den Nachwuchs weitergegeben wurde.
Diskussionen, Missverständnisse und Klassiker
In der männlichen B-Jugend wurde nicht nur trainiert, sondern auch intensiv diskutiert. Zwischen Spielern und Trainern entwickelten sich Gespräche, die den ein oder anderen Betreuer an den Rand der Verzweiflung brachten – und das teilweise in Rekordzeit.
Auch nach dem Training sorgten kleine Aktionen immer wieder für gute Stimmung.
Besonders hervorzuheben: Ben K., der bereits in seiner zweiten Trainingseinheit zum zweiten Mal seinen Ball vergessen hatte – eine bemerkenswerte Form der Konstanz, die bei Mitspielern und Trainern gleichermaßen für Erheiterung sorgte. Derselbe Ben K., bekannt als Erfinder des Geschäftsmodells „Betten beziehen gegen Bezahlung“, bot seine Dienste auch 2026 wieder an – allerdings zu deutlich angepassten Preisen. Inflation macht eben auch vor Biedenkopf nicht Halt.
Für eine eher ungeplante „Sondereinheit“ sorgten die Spielerinnen der weiblichen E und D-Jugend: Aufgrund einer Verspätung von insgesamt 13 Minuten wurden sie zu ebenso vielen Strafrunden um die Halle verdonnert.
Die daraus resultierende Joggingeinheit traf dabei nicht unbedingt auf Begeisterung – Kommentare wie „Du hast mich getötet“ machten die Belastung aus Sicht der
Spielerinnen deutlich.
Mit zunehmender Dauer des Tages setzte sich dann jedoch ein altbekanntes
Naturgesetz durch: Müdigkeit. Diese war dem ein oder anderen Spieler auch deutlich anzusehen, sodass selbst die sonst eher vorlauten Stimmen an diesem Samstag spürbar leiser wurden – sehr zur Erleichterung mancher Betreuer.
Einsatz kennt keine Ausreden
Ein fester Bestandteil jedes Trainingslagers: unser Nachwuchs-Keeper mit Brille aka
„Ferdi“.
Trotz gebrochenem Handgelenk war er selbstverständlich wieder dabei und absolvierte alles, was irgendwie möglich war, dafür gebührt ihm auf jeden Fall Respekt. Gemeinsam mit Simon Bogner aka „derduftbogner“ wurde konsequent an Beinübungen gearbeitet – und am Sonntag kam noch ein Sonderprogramm dazu:
12-mal die kompletten vier Stockwerke in nur 13 Minuten hoch und runter – immerhin blieb ihm das Kellergeschoss gnädigerweise erspart.
In diesem Jahr war Ferdi deutlich ruhiger als gewohnt. So ruhig, dass sein Vater bei der Abholung nicht ganz sicher war, ob er stolz oder doch leicht enttäuscht sein sollte.
Essen, Erwartungen und alternative Lösungen
Nach den Erfahrungen der letzten Jahre wurde das Thema Verpflegung in diesem Jahr besonders kritisch beäugt. Das erste Fazit fiel dabei differenziert aus: Eine Verbesserung war klar erkennbar – auch wenn noch Luft nach oben bleibt.
Gut, dass mein schreibstarker Vorgänger in diesem Jahr nicht vor Ort war. Ihm wäre
vermutlich schon beim Betreten der Jugendherberge aufgefallen, dass gefühlt jedes Gericht eine ordentliche Portion Knoblauch abbekommen hatte. Ohne Wäscheklammer auf der Nase hätte er das Wochenende vermutlich kaum überstanden – ganz zu schweigen von der Frage, ob er überhaupt noch etwas hätte essen wollen.
Die älteren Jugendlichen reagierten darauf gewohnt pragmatisch und testeten kurzerhand das Angebot der nächstgelegenen Pizzeria. Eine Art paralleles Versorgungssystem, das erstaunlich zuverlässig funktionierte.
Ein Spieler der männlichen B-Jugend ging noch einen Schritt weiter und hatte ein eigenes Notfallpaket dabei: Yum Yum Instant-Nudeln. Einsatz am Sonntagmittag –
erfolgreich umgesetzt. Planungssicherheit auf höchstem Niveau.
Abendprogramm, Müdigkeit und fragwürdige Regeneration
Die Abende nahmen, wie gewohnt, eine Eigendynamik an, die schwer in Worte zu fassen ist. Handball-Bundesliga per Beamer bildete die seriöse Grundlage – den Rest übernahmen diverse Gespräche und Simon „derduftbogner“ Bogner, der mit fachkundigen Parfümempfehlungen für einen Hauch Eleganz sorgte. Ob das erwartet war, sei dahingestellt.
Nicht nur die Spieler kämpften am Ende des Tages mit der Müdigkeit: In der abendlichen Runde erwischte es auch den ein oder anderen Trainer, dessen Augen überraschend früh zufielen – ein Anblick, der bei den Betreuern für einige Lacher sorgte. Dabei zeigte sich im Laufe des Wochenendes, dass die Belastung nicht nur bei den Kindern unterschiedlich ausfiel, sondern auch im Betreuerteam. Die letzten Betreuer gingen spät zu Bett – so spät, dass sie die Zeitumstellung noch live miterleben durften. Während andere friedlich schliefen, wurde vor Ort um Punkt 2 Uhr kurzerhand die Uhr vorgestellt – natürlich unter fachkundiger Aufsicht von Nils. Der ohnehin schon knappe Schönheitsschlaf wurde damit nochmals eizient verkürzt. Bei Frühstück bis 9:00 Uhr wurde die Regenerationsphase also konsequent optimiert. Am nächsten Morgen zeigte sich das deutlich: Einige Trainer und NSD-Mitglieder hatten sichtbare Schwierigkeiten, in den Tag zu starten – die Zeitumstellung kam dabei ungefähr so gut an wie eine zusätzliche Laufeinheit am Sonntagmorgen.
Geschichten, die nur Biedenkopf schreibt
Im Betreuerteam gab es mit Selina ein neues Gesicht, das schnell für amüsanten Gesprächsstoff sorgte. In geselliger Runde kamen dabei einige unterhaltsame Geschichten zusammen – nicht zuletzt auch über ihre mitgereisten Kinder, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während eines der Kinder mit scheinbar endloser Energie und viel Bewegung für Aufmerksamkeit sorgte, boten die Situationen rund um die Familie immer wieder Anlass zum Schmunzeln.
Für ein fast schon filmreifes Bild sorgte zudem Toto, Vater und erstmaliger Betreuer aus der männlichen E-Jugend: Nach der Trainingseinheit kam er mit über die Schulter geworfenen, zusammengebundenen Schuhen, einer Wasserflasche in der Hand und einer Zigarette im Mund aus der Halle – ein Anblick, der den intensiven Trainingstag auf seine ganz eigene Weise widerspiegelte.
Parallel dazu bot sich rund um die Jugendherberge ein völlig anderes Bild: Während die Handballer in Trainingskleidung unterwegs waren, verabschiedeten sich andere Gäste der Jugendherberge, unter anderem aus dem politischen Umfeld, im Anzug und mit Fahrzeugen der gehobenen Klasse. Ein Kontrast, der kaum größer hätte sein können und vermutlich auch nur in Biedenkopf so zustande kommt.
Eventabend – Kreativität ohne Grenzen
Auch in diesem Jahr fand traditionell der Eventabend am Sonntag statt. Unter dem
Motto „Märchen mit Handballbegriffen verbinden“ präsentierten alle Mannschaften eigene Aufführungen, bei denen jeweils ein Märchen mit drei eingebauten Handballbegriffen dargestellt werden musste – die übrigen Teams durften anschließend raten.
Dabei zeigte sich schnell, dass vor allem die jüngeren Teilnehmerinnen und Teilnehmer großes schauspielerisches Talent mitbrachten. Besonders die gemeinsame Aufführung der weiblichen E- und D-Jugend sowie die männliche E-Jugend überzeugten mit kreativen Ideen und viel Einsatz – eine echte „Meisterleistung“ auf der improvisierten Bühne. Am Ende setzte sich die weibliche E- und D-Jugend mit ihrer Darbietung durch und sicherte sich den Sieg des Abends.
Abschluss – Tradition lebt weiter
Eine alte Tradition wurde wieder zum Leben erweckt: das Abschluss-Mix-Turnier bildete den sportlichen Schlusspunkt des Trainingslagers. In gemischten Teams wurde gespielt, gelacht und gekämpft – und ganz nebenbei zeigten sich bei dem ein oder anderen Jugendspieler bereits erste Trainerqualitäten. Im Mittelpunkt stand dabei vor allem das gemeinsame Erlebnis über alle Altersklassen hinweg, das den Zusammenhalt innerhalb der HSG Wettenberg einmal mehr unterstrich. Das Siegerteam durfte anschließend noch gegen die Trainer und Betreuer antreten, bevor das Trainingslager schließlich offziell zu Ende ging.
Danke!
Ein besonderer Dank gilt all jenen, die dieses Wochenende erst möglich gemacht haben. Finanziell unterstützten uns der TSV Krofdorf-Gleiberg mit 1.000 €, die SG Wißmar 04 mit 650 €, der TSV Launsbach mit 500 € sowie Delta Bike mit 250 €. Der EDEKA Rink sorgte darüber hinaus mit Getränken, Obst und einem Kühlwagen für die Verpflegung abseits der Jugendherberge.
Dank gilt außerdem allen Tagesgästen aus den Aktiven-Mannschaften und den Eltern,die das Wochenende mit ihrer Anwesenheit und Unterstützung bereichert haben.
Und zum Abschluss – und das verdient eine eigene Erwähnung – unseren Trainern,
Betreuern und Organisatoren, die Jahr für Jahr ihre Freizeit in die Jugendarbeit
investieren. Mit vollem Einsatz, viel Geduld und oensichtlich einer hohen Toleranz für chaotische Abende.
Fazit
Biedenkopf 2026 war intensiv, chaotisch, anstrengend – und genau deshalb wieder ein voller Erfolg.
Zwischen Regen, Eisschnee, zu kleinen Hallen, zu kurzen Nächten und unzähligen
kleinen Geschichten zeigte sich einmal mehr, was dieses Trainingslager ausmacht:
Nicht das einzelne Highlight.
Sondern das Zusammenspiel von allem.
Oder einfacher gesagt:
Genau deshalb kommen wir jedes Jahr wieder.
Das Wichtigste zum Schluss:
„Kinder lenken nicht von der wichtigen Arbeit ab. Kinder sind die wichtigste Arbeit!“
Und darum freuen wir uns schon jetzt verkünden zu können:
Biedenkopf 2027 findet statt! Termin vormerken: 20.-22. März 2027





































































